Wohn-Riestern als Altersvorsorge

Donnerstag, 13. März 2008

Und noch ein Gedicht aus dem schier unerschöpflichen Repertoire, wie man Versicherungspolicen unter die Leute bringen will. Nachdem sich die TV-Dokumentation „Rentenangst“ bereits mit der kapitalgedeckten (und staatlich geförderten) Altersvorsorge auseinandersetzte und diese recht anschaulich als reinen Irrwitz zerpflückte, haben wir mit der neusten Idee des „Wohn-Riester“ eine weitere Methode, den Leuten recht uninteressante Sparverträge unterzujubeln: An Stelle der gestrichenen Eigenheimzulage für Häuslebauer versucht man jetzt, über das sogenannte „Wohn-Riestern“ etwas ähnliches wieder einzuführen.

Der Haken beim Wohn-Riester ist der, daß auch diese Anlageform wie die „normale“ Riester-Rente später versteuert werden muß – wieweit diese Art von Doppelbesteuerung überhaupt verfassungskonform ist, dürfte später einmal überprüft werden… Während in einem Fall die Steuerschuld von dem ausgezahlten Betrag beglichen werden kann, ist beim „Wohn-Riester“ die Fördersumme ja fest im Eigenheim verbaut. Die Steuerschuld darf dann aus dem sonstigen Vermögen beglichen werden oder es wird – mangels Masse – das Haus eben zwangsversteigert. Alternativ freuen sich die Erben, wenn sie Opas Steuerschuld aus dem Wohn-Riester nachträglich begleichen dürfen. Ja das ist schon klasse, was der Politik zum Wohle der Versicherungswirtschaft so alles einfällt.

Der große Rentenschwindel

Montag, 10. März 2008

Man hatte den Versorgungsfällen in den Öffentlich-Rechtlichen schon gar nicht mehr zugetraut, daß so etwas auf Sendung gehen könnte. Sonntag abend war es wieder soweit – einer der inzwischen selten gewordenen Fälle einer sauberen Polemik in Form einer längeren Dokumentation.

Der Film „Rentenangst – Der Kampf um die Altersversorgung“ von Ingo Blank und Dietrich Krauß in der ARD (SR, 9.3.2008, 23:30 Uhr) befaßte sich mit dem zunächst nicht so spannend klingenden Thema der Altersversorgung in Form der gesetzlichen Rentenversicherung und der im Zuge der Schröderschen „Sozialreformen“ forcierten privaten kapitalgedeckten Altersvorsorge, die mit dem Abbau von Leistungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung einherging. Nun ist ja seit längerem bekannt, daß es mit kapitalgedeckten Lebensversicherungen, wie sie die Versicherungskonzerne anbieten, bezüglich der Rendite nicht so weit her ist – manche sind schon froh, wenn sie das Geld zurückbekommen, das sie im Laufe der Jahre eingezahlt haben.

Folgt man dem Film, sieht es bei der kapitalgedeckten Zusatzversicherung, ob Riester-Rente oder andere geförderte Formen, nicht viel besser aus. Daß überhaupt jemand diese Policen zeichnet, ist zunächst intensiver Lobbyarbeit zu „verdanken“. Norbert Blüm, der im Film zu Wort kommt, spricht von einem Kartell aus Versicherungswirtschaft, Politik, Medien und gekauften Gutachtern und „Experten“. Und – so ein Zufall – (fast) alle, die dieses System öffentlich propagieren, verdienen finanziell daran – sei es über Förderungen und Zuwendungen aus der Versicherungswirtschaft oder über Beteiligungen. Damit das funktionierte, wurde die gesetzliche Rentenversicherung gezielt vor die Wand gefahren. Dieser Prozeß, einmal in Gang gesetzt, ist nicht mehr umkehrbar.

Man kann dem Beitrag, ob man seine Thesen nun teilt oder nicht, nur eine häufige Wiederholung wünschen. Was aber eher unwahrscheinlich ist und daher sei auf die einschlägigen Bittorrent-Seiten verwiesen.

[Update] Die Wiederholung der Sendung findet im Digital-Kanal der ARD Eins Extra statt: 25.3. um 01:15 und 22:02 sowie am 30.3. um 16:00 Uhr. s. Programmvorschau.