Marketing-GAU bei Windows7-Sonderaktion

Mittwoch, 15. Juli 2009

Die mit großem Tamtam angekündigte Sonderaktion – Windows 7 zum Vorbestellpreis von 49,97 Euro – entpuppte sich als Kundenveralberung. Bei Amazon brach pünktlich zum Verkaufsstart unter dem Kundenansturm der Server zusammen, allerdings hatte man laut HAZ ohnehin nur 1.500 Lizenzen anzubieten. Bei anderen Händlern sah es ähnlich aus, hier hatte man teilweise nur 500 Lizenzen zu verteilen. Da nur sehr wenige (Groß)Händler überhaupt Lizenzen verkaufen „durften“, dürfte sich die Gesamtanzahl Deutschland „zugestandener“ Lizenzen so bei 5000 (nach unbestätigten Berichten 7500) bewegt haben. Dann wird aus Veralberung Verarschung.

Nach 4 (in Worten: vier) Minuten war bei Amazon das Kontingent bereits aufgebraucht (Heise) und die Kunden konnten wieder zum regulären Mondpreis von 120 Euro vorbestellen. Hätte man diese Aktion in eine Verlosung umgewandelt, würden Kunden die Veranstaltung als das hinnehmen, was sie offenbar auch war: ein netter Marketing-Gag. So hat Amazon neben ein paar EDV-Problemen (etwa ein fehlender Transaktionsmechanismus bei gleichzeitigen Bestellungen und begrenztem Artikelvorrat, das ist aber leider bei denen nichts Neues) eine Vielzahl ziemlich erboster Kunden, die sich zunächst in Amazons Windows7-Produktbewertungsseite und anschließend im zugehörigen Kundenforum austobten. Daß man nur eine eng begrenzte Stückzahl bekommen würde, wußten Händler wie Amazon vorher.

Amazons eBook-Reader Kindle in der NYT

Mittwoch, 28. November 2007

KindleDie New York Times vom 22.11.2007 bringt eine längere Besprechung von Amazons neuem eBook-Reader „Kindle“, der (im Moment?) nur für den amerikanischen Markt konzipiert ist und den Rezensenten zunächst an einen Commodore 64 erinnerte. Das Prinzip von Kindle baut auf Sonys „E Ink“-Technologie auf: Im Gegensatz zu herkömmlichen PDAs wird Energie nur zum Umblättern der „Seiten“ oder der Navigation im Dokument sowie für die WLAN-Verbindung verwendet, das spezielle Display speichert immer den jeweils aktuellen Zustand. Frisches Futter wie eBooks oder eigene Dokumente lassen sich via WLAN downloaden oder per USB vom PC übertragen – online aus dem Amazon-Shop oder über eine spezielle Kindle-Email-Adresse, für die Amazon aber gesondert zur Kasse bittet (mit 10 Cent pro E-Mail). Um die Kunden via WLAN bei der Stange zu halten, ist Amazon mit Sprint einen Deal eingegangen, demzufolge Netzzugriffe von Kindles kostenlos erfolgen. In welchem Format die eBooks vorliegen wird zwar nicht angegeben, jedoch dürfte es sich angesichts der Masse an verfügbaren Büchern um PDF handeln. Preislich liegt das Teil bei reichlich absurd erscheinenden 400 US-Dollar.

Alles schon einmal dagewesen, und Sony ist mit einem ähnlichen Modell, ähnlichem Preis und proprietärem Format der eBooks mit restriktivem DRM (Digital Rights Management) auf breiter Front gescheitert, jedoch verspricht sich Amazon durch die Einbeziehung von mehr Verlagen, mehr oder weniger attraktiven Preisen für die eBooks, abgestimmter Software für den unproblematischen Kauf der eBooks (bei Amazon!) über WLAN und vor allem dem günstigen Bezug von Tageszeitungen im speziellen elektronischen Format (PDF?) ein nettes Geschäft. Was dabei auffällt sind die moderaten Preise für die Tageszeitungen. 14 USD für die NYT, 15 USD für Le Monde etc. Angesichts der Mondpreise für die reinen Online-Zugänge hiesiger Tageszeitungen (20 Euro Süddeutsche, 25 für die FAZ) dürfte es hierzulande mehr als schwierig werden, in diesem Bereich ein zusätzliches rsp. alternatives Geschäft aufzuziehen.

Und angesichts des Preises von 400 USD (das wäre dann erfahrungsgemäß auch der Preis in Euro, falls der Kindle hier auf den Markt käme) für ein Gerät, das neben dem Lesen von Dokumenten nur noch einen ziemlich lausigen Webbrowser hat und sonst nichts weiter kann, darf man gespannt sein auf die weitere Preisentwicklung beim Kindle. Mit oder ohne SIM-Lock, quersubventioniert von den darbenden Tageszeitungen, die auch dieses Geschäftsmodell wieder verbocken.